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GEDANKEN, MEINUNGEN, UNTERHALTSAMES, WISSENSWERTES

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Abmahnrisiko und fehlende Rentabailität

15 Jahre Onlineshop sind genug

Vor über 15 Jahren starteten wir unseren ersten Onlineshop. Noch etwas unbeholfen im Design und durchaus naiv bei den Erwartungen sahen wir aber in diesem Vertriebskanal eine marktgerechte und zukunftsweisende Möglichkeit, unsere Produkte einem breiteren Kundenkreis anzubieten. So dachten auch eine ganze Reihe weitere Fachhändler. Von der Politik wurde der Onlinemarkt erst einmal überhaupt nicht wahr genommen. Deshalb gab es eine Vielzahl von Möglichkeiten, sich zu präsentieren, aber auch Kunden abzuzocken - zumindest für Händler, die ein gewisses Maß an krimineller Energie besaßen. Die Politik reagierte auf die bald auftretenden Auswüchse mit einer mitleiderregenden Unbeholfenheit und anstatt sinnvolle und rechtssichere Gesetze zu erlassen, wurden lediglich den ehrlichen Händlern immer mehr Steine in den Weg geworfen, die sich zunehmend als geschäftsverhindernd herausstellten.

Prominentes Beispiel war die Widerrufsbelehrung. Lange Zeit gab es seitens des Bundeswirtschaftsministeriums lediglich eine Empfehlung, welchen Wortlaut eine solche Widerrufslehrung haben soll. Und so gehörten neben der Datenschützern insbesondere die Abmahnanwälte zu den eifrigsten Lesern dieser Regelung. Denn die fanden darin, gemeinsam mit Händlern, die nicht fähig waren, ein ehrliches Geschäft zu führen, eine ergiebige Geldquelle. Vorzugsweise kleine EDV-Händler wurden wegen geringster Formulierungsfehler in der Widerrufsbelehrung mit horrenden Forderungen abgemahnt. Der finanzielle Schaden war immens, Nutzen hat es aber weder dem Kunden noch dem abmahnenden Händler gebracht. Lediglich die Anwälte freuten sich an dem zusätzlichen Verdienst. Inzwischen gibt es zwar eine Widerrufsbelehrung, die Gesetzesstatus hat, aber das Abmahngeschäft hat sich für die Anwälte als derart lukrativer Markt herausgestellt, dass Sie eine Vielzahl weiterer Möglichkeiten fanden, mit denen Sie kleinste Fehler des Handels ahnden können.

Auch wir sind einige male Opfer solcher Abmahnhaie geworden und das sicherlich nicht, weil wir grob fahrlässig wettbewerbswidriges Verhalten an den Tag gelegt haben, sondern lediglich, weil wir uns an die Empfehlung des Wirtschaftsministeriums gehalten haben, die dann aber von den Gerichten in Zweifel gezogen wurden.

Da wir aber nicht gewillt sind (und es sich auch nicht rechnen würde), eigens für den Betrieb eines Onlineshops einen Rechtsanwalt dauerhaft zu beauftragen, haben wir uns in diesem Jahr entschlossen, das Onlinegeschäft denen zu überlassen, die sich mit den gesetzlichen Unzulänglichkeiten herumschlagen möchten. Statt dessen konzentrieren wir uns wieder verstärkt auf die Kunden vor Ort, also auf jene, die beraten werden möchten, Service brauchen oder schnell mal vor Ort ihre Tintenpatrone, ihr Papier oder auch eine Tastatur kaufen möchten.

Auf diese Weise können wir unsere Firmenphilosophie der Kundennähe wieder deutlicher herausstellen und brauchen uns nicht mit Händlern messen, die meinen ihr Geschäft mit Anwälten betreiben zu müssen - ein Sport, der in der Branche fast schon normal zu werden scheint (siehe Apple und Samsung).

Noch ein abschließendes Wort: Wir stehen, wie auch schon in der Vergangenheit, für ein ehrliches und transparentes Geschäft. Gesetzliche Regelungen müssen sein und auch das Mittel der Abmahnung ist bei absichtlichen und gravierenden Verstößen durchaus legitim. Allerdings hat die Abmahnpraxis Auswüchse angenommen, die wir nicht mehr bereit sind zu tolerieren. Leider sieht die Politik trotz zahlreicher Proteste von Händlerverbänden, diesbezüglich keinen Handlungsbedarf. So wird unserer Ansicht nach der EDV-Markt massiv behindert und kleine Händler aus dem Geschäft gedrängt. Das führt langfristig zu einer Monopolbildung, von dem lediglich die großen der Branche profitieren. Die Konsequenz ist weniger Wettbewerb. Der Dumme ist am Ende leider der Kunde.

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