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GEDANKEN, MEINUNGEN, UNTERHALTSAMES, WISSENSWERTES

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Es sind nicht nur die Geheimdienste

Die ganz gewöhnliche Datensammlung

Irgendwie ist es schon verrückt: Die Welt spricht seit vielen Wochen in einer Mischung aus Hysterie, Erstaunen und Fassungslosigkeit über ein Phänomen, dessen Existenz sich zumindest in den Grundzügen jeder bewusst war. Denn niemand kann tatsächlich geglaubt haben, dass die Geheimdienste nur Regierungen und gegnerische Geheimdienste ausgespäht haben. Beispiele, wie die Stasi oder auch der russische KGB zu Zeiten des kalten Krieges sind eindeutige Belege dagegen. Und so ist, wenn man es nüchtern betrachtet, PRISM und Tempora lediglich die logische Fortführung eines Prozesses, den jeder zumindest geahnt hat.

Doch was macht die Veröffentlichung von Edward Snowden so brisant?

Hat die Stasi noch mit Spitzeln, dem Abhören von Telefonen und dem Abfangen von Schriftverkehr einen riesigen Aktenberg angehäuft, so mussten dieser dennoch stets in gewissen physikalischen und verwaltbaren Grenzen bleiben. Der amerikanischen NSA und der britischen GCHQ stehen heute hingegen Werkzeuge zur Verfügung, die George Orwell sich nicht einmal in Traum hätte vorstellen können. Diese Programme, wie z.B. XKeyscore, ermöglichen es den Geheimdiensten theoretisch von jedem Rechner dieser Welt in irgendeiner Form Daten abzuschöpfen, ohne dass es der Anwender merkt. Die so gesammelten Informationen werden anhand von Schlüsselbegriffen und hochkomplizierten Algorithmen ausgewertet. Weil aber so viele Faktoren in diese Auswertungen einfließen und der gesamte Prozess wiederum von einem ohne gesunden Menschernverstand ausgestatteten Computer durchgeführt wird, steigt die Gefahr, dass unbescholtene Bürger ins Visier der Geheimdienste geraten. Zahlreiche Vorfälle, in denen normale Menschen aufgrund unglücklicher Zufälle von den Geheimdienst-Computern als potenziell gefährlich eingestuft wurden, sind inzwischen bekannt geworden.

Ob und in welchem Umfang man etwas gegen die Ausspähaktionen der Geheimdienste unternehmen kann, möchte ich an dieser Stelle einmal unbeantwortet lassen. Darüber diskutieren inzwischen Heerscharen von Fachleuten, ohne bisher jedoch zu einem akzeptablen Ergebnis gekommen zu sein. Was aber im Zuge der PRISM- und Tempora-Diskussionen ein wenig untergegangen ist, sind die fast schon alltäglichen Datensammlungen von Wirtschaftsunternehmen. Denn lange bevor Google, Apple oder Microsoft in den Verdacht geraten sind, mit den Geheimdiensten unter einer Decke zu stecken, sammelten sie bereits massiv Informationen ihrer Nutzer und Kunden. Die Werkzeuge hierzu werden dem unbedarften Anwender mundgerecht präsentiert und bieten ihm auf den ersten Blick eine ganze Reihe von Vorteilen und viel Komfort. Dass aber ein Internet-Browser, das Android-Handy oder das iPhone gleichzeitig Aufschluss über die Gewohnheiten seines Benutzers gibt, macht sich kaum jemand bewusst. Eigentlich ungefährliche Cookies übermitteln dennoch Daten über ihr Kaufverhalten. Amazon erfährt so was Sie wann gekauft und wofür Sie sich interessiert haben. Ihr Android-Handy zeigt Google ganz genau wo Sie sich wann aufgehalten haben und die Telekom hält fest wann Sie mit wem per SMS oder Telefon Kontakt hatten. Alles zusammen genommen macht aus Ihnen einen gläsernen Menschen ohne echte Geheimnisse - da bedarf es nicht einmal eines Geheimdienstes. Und im Gegensatz zu den sozialen Netzwerken, wie Facebook oder Twitter, wo jeder noch selbst entscheiden kann, was er dort veröffentlicht, sind Sie den geheimen Sammelaktionen der Anbieter und Provider weitgehend ausgeliefert.

Dem entgegen zu wirken ist nicht ganz einfach und wird auch vermutlich nie völlig gelingen. Dennoch gibt es einige Möglichkeiten, die verhindern, dass Sie zu viele Informationen von sich preisgeben. Einer der Schlüssel heißt "Open Source". Dabei handelt es sich um Software, deren Programmiercode von jedem eingesehen und verändert werden darf. Anders als z.B. bei Microsoft-Programmen, kann jeder Programmierer hier selbst Veränderungen vornehmen, aber auch Manipulationen erkennen. So wird verhindert, dass Programmteile in die Software einfließen, die möglicherweise dem Anwender schaden könnten. Ein weiterer Vorteil von Open-Source-Lösungen ist die Tatsache, dass hinter solchen Programmen häufig keine wirtschaftlichen Interessen stecken. Die Entwicklung erfolgt meist von einer Gemeinschaft freier Programmierer, die einfach Spaß an Programmierung und guter Software haben. Dies macht die Programme weniger anfällig für finanziell getriebene Veränderungen. Der Nutzen für den Anwender steht immer im Vordergrund.

Zum Schutz vor Ausspähaktionen durch Unternehmen wie Google oder Amazon gibt es eine ganze Reihe von Sicherheitsprogrammen, die alle unter der Open-Source-Lizenz veröffentlicht wurden. Die bekannteste Software dürfte da vermutlich der Internet-Browser Mozilla Firefox sein. Darüber hinaus gibt es aber viele weitere Lösungen, die Ihre Daten schützen und nur das übermitteln, was Sie autorisieren. Wie weit man es dabei treiben möchte, hängt ganz von der persönlichen Einstellung zum Datenschutz ab. Daher können wir an dieser Stelle auch nur schwer Empfehlungen aussprechen. Ob es lediglich das blockieren von Cookies sein soll, die Verschlüsselung von E-Mails oder gar völlig annonymes Surfen im Internet muss jeder für sich entscheiden. Wir können dazu aber gerne beraten,  Empfehlungen aussprechen und selbstverständlich auch die notwendigen Anpassungen Ihres Rechners vornehmen. Eines ist jedoch sicher: Ob Geheimdienste oder Wirtschaftsunternehmen, einen vollständigen Schutz wird es vermutlich nie geben, es sei denn, man entscheidet sich, das Internet völlig zu meiden - und wer möchte das schon.

Ein persönlicher Nachtrag: Als Unternehmen und Privatpersonen stehen wir den Ausspähaktionen der Geheimdienste mehr als ablehnend gegenüber. Deshalb versuchen wir Aufzuklären und auf die Gefahren, die es nicht nur für jeden Einzelnen, sondern auch für die ganze Gesellschaft gibt, hinzuweisen.

Neben den Links im Artikel finden Sie nachfolgend noch zwei sehr hilfreiche Informationsquellen:

SPIEGEL ONLINE: NSA-Ausspähskandal: Fünf Argumente gegen die Verharmloser

Video zum Thema Überwachung

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